3 Syrien


Syrien

Arabische Republik Syrien

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Sy|ri|en; -s:
Staat im Vorderen Orient.

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Syri|en,
 
 
 
Fläche: 185 180 km2
 
Einwohner: (2000) 16,1 Mio.
 
Hauptstadt: Damaskus
 
Amtssprache: Arabisch
 
 
Währung: 1 Syrischer Pfund (syr£) = 100 Piastres (PS)
 
Zeitzone: 1400 Damaskus = 1200 MEZ
 
amtlich arabisch Al-Djumhurijja al-Arabijja as-Surijja [-dʒʊm-], deutsch Arabische Republik Syrien, Staat in Vorderasien, im östlichen Mittelmeerraum, mit 185 180 km2 doppelt so groß wie Ungarn, (2000) 16,1 Mio. Einwohner; Hauptstadt ist Damaskus, Amtssprache Arabisch. Währungseinheit: 1 Syrisches Pfund (syr£) = 100 Piastres (PS). Uhrzeit: 1400 Damaskus = 1200 MEZ.
 
 Staat und Recht:
 
 
Nach der Verfassung von 1973 ist Syrien eine sozialistische Volksrepublik mit Präsidialsystem. Staatsoberhaupt, Oberbefehlshaber der Streitkräfte und Inhaber der Exekutivgewalt ist der mit weitgehenden Vollmachten ausgestattete Präsident (vom Parlament nominiert, wird er auf sieben Jahre direkt gewählt). Er bestimmt die Richtlinien der Politik, hat das Recht auf Gesetzgebungsinitiative und -veto, ernennt und entlässt die Regierung unter Vorsitz des Premierministers und ist als Generalsekretär des syrischen Baath zugleich Präsident der Nationalen Progressiven Front. Die Legislative liegt beim Volksrat (250 auf vier Jahre gewählte Abgeordnete).
 
Parteien:
 
Einflussreichste Partei ist die syrische Baath-Partei (Baath). Sie dominiert die Nationale Progressive Front (NPF), ein 1972 gegründetes Parteienbündnis, dem neben ihr die Syrische Kommunistische Partei (gegründet 1924), die Arabische Sozialistische Union, die Arabische Sozialistische Unionistische Partei (gegründet 1963 als Abspaltung vom Baath), die Arabische Sozialistische Partei und die Demokratische Unionistische Sozialistische Partei angehören.
 
 
Das Wappen zeigt einen stilisierten Adler, dessen Brust mit einem Schild in den Farben der Nationalflagge belegt ist; in seinen Fängen ein Schriftband mit der offiziellen Staatsbezeichnung; zwischen Brustschild und Schriftband zwei goldene Weizenähren. Zurückgeführt wird der Adler auf Chalid ibn al-Walid, der als Feldherr Mohammeds im 7. Jahrhundert Damaskus eroberte.
 
Nationalfeiertage:
 
17. 4., erinnert an den Abzug der letzten französischen und britischen Truppen 1946.
 
 
Syrien ist in den Hauptstadtdistrikt und 13 Verwaltungsdistrikte (»Mohafasa«) gegliedert, die sich wiederum in 51 Unterbezirke (»Mantika«) und 160 kleinere Verwaltungsbezirke (»Nahia«) mit zahlreichen Dörfern unterteilen.
 
 
Das Recht wurzelt in der islamischen Tradition der Scharia, unterliegt aber auch französischen Einflüssen. Die Gerichtsorganisation ist grundsätzlich in zwei Systeme geteilt: Es gibt Gerichte allgemeiner Zuständigkeit und Verwaltungsgerichte. Oberstes Gericht für beide Zweige ist der Oberste Verfassungsgerichtshof in Damaskus. Die allgemeinen Gerichte gliedern sich in Stufen, die durch den Kassationsgerichtshof, die Appellationsgerichte, die Gerichte erster Instanz, die Friedensgerichte sowie Gerichte für Personenstandssachen (Familiensachen) gebildet werden. Von Bedeutung sind ferner Militärgerichte.
 
 
Die Gesamtstärke der Wehrpflichtarmee beträgt etwa 420 000 Mann, die Grundwehrdienstzeit 30 Monate (für Hochschulabsolventen 18 Monate); paramilitärische Kräfte sind die Gendarmerie (rd. 8 000 Angehörige), die Grenzschutz-Wüstenbrigade (rd. 1 800 Mann), die Arbeitermiliz des Baath (Stärke unbekannt). Das Heer umfasst etwa 315 000 Soldaten und gliedert sich im Wesentlichen in zwei Korps mit sechs Panzer- und drei mechanisierten Divisionen, einer Division Republikanischer Garde, sieben Fallschirmjäger-, zwei Panzer- und vier Infanteriebrigaden. Die Luftwaffe und das eigenständige Luftverteidigungskommando haben zusammen rd. 120 000, die Marine rd. 6 000 Mann. - Die Ausrüstung ist fast vollständig sowjetischer Herkunft. Sie umfasst v. a. 4 600 Kampfpanzer (2 100 T-54/-55, 1 000 T-62 und 1 500 T-72), etwa 500 Kampfflugzeuge (MiG- und Suchoi-Typen), drei U-Boote, zwei Korvetten, 27 Kleine Kampfschiffe.
 
Durch eine Umstrukturierung (u. a. Aufbau einer eigenständigen Raketenstreitmacht) und umfassende Modernisierung (u. a. Beschaffung moderner Kampfpanzer, Luftverteidigungssysteme und Boden-Boden-Flugkörper) soll die Schlagkraft der syrischen Streitkräfte erhöht werden. Umfangreiche Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten bestehen im Bereich biologischer und chemischer Waffen.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Die höchsten Erhebungen wie auch die tiefsten Einsenkungen des Landes befinden sich im W. Am Mittelmeer, das von wenigen schmalen Küstenebenen gesäumt wird, erhebt sich das Bruchfaltengebirge des Djebel Ansarije (1 562 m über dem Meeresspiegel). Binnenwärts schließt sich eine Folge von tektonisch jungen Einsenkungen an (nördliche Ausläufer des Jordangrabens). Weiter nach Osten zu folgt wieder eine Reihe von Bruchfaltengebirgen und verkarsteten Bergländern (Djebel Samaane 870 m, Djebel Saouije 939 m, Antilibanon 2 629 m, Hermon 2 814 m über dem Meeresspiegel).
 
Östlich dieser mittelmeernahen Zonen herrschen Ebenen und Tafelländer vor, deren flach lagernde Tertiärschichten dem kristallinen Sockel des arabischen Blocks aufgelagert sind. Nur im Bereich von Damaskus zweigen von den westsyrischen Gebirgen Bergketten und Höhenzüge nach Nordosten ab (Kalamun 1 914 m, Palmyraketten 1 390 m über dem Meeresspiegel); in deren Verlängerung, über den Euphrat hinweg, ragen die isolierten Bergrücken des Djebel Aabd el-Aasis (920 m über dem Meeresspiegel) und der westliche Ausläufer des Djebel Sindjar (1 480 m über dem Meeresspiegel) über die eintönigen, zum Teil lössbedeckten Ebenen der Djesire auf. Südsyrien besteht größtenteils aus jungvulkanischen Basaltdecken, die in dem schildförmig ansteigenden Djebel Drus 1 800 m über dem Meeresspiegel erreichen.
 
 
Syrien ist ein Übergangsraum zwischen dem winterfeuchten Mittelmeergebiet im Westen und den kontinentalen Trockengebieten im Osten, den Ausläufern der innerarabischen Wüsten. Begünstigt sind die westsyrischen Küsten- und Gebirgsländer, die in den Wintermonaten zyklonale Niederschläge, zum Teil als Stau- und Steigungsregen, in so reichem Maß erhalten, dass hier selbst in relativ trockenen Jahren der Ackerbau ungefährdet bleibt. An der Küste fallen im langjährigen Mittel fast 800 mm Regen (Latakia), im Gebirge über 1 000 mm; auf der Ostseite des Gebirges, im Regenschatten, nehmen die Niederschläge schnell ab (Damaskus 260 mm, Homs 343 mm, Aleppo 360 mm) und sinken im kontinentalen Hinterland unter 200 mm (Palmyra 125 mm, Deir ez-Zor 150 mm). Lediglich das Gebirgsvorland im Norden und Nordosten empfängt wiederum Winterregen von jährlich 250 bis 500 mm. Die mittleren Januartemperaturen nehmen von der Küste (Latakia 10,5 ºC) zum Binnenland (Deir ez-Zor 7,1 ºC) hin ab, die Julitemperaturen hingegen zu (Latakia 25,8 ºC, Deir ez-Zor 32,7 ºC); entsprechend treten im Binnenland die höheren Jahresamplituden (25 Celsiusgrade) auf.
 
 
Das natürliche Pflanzenkleid ist durch menschliche Eingriffe stark verändert und zum Teil vernichtet worden. Seit der Antike wurden die ausgedehnten Wälder, v. a. in den westlichen Gebirgsländern, zunehmend gerodet. Aber auch die Steppenvegetation der feuchten und der trockenen Ebenen wurde durch Ackerbau und Viehzucht nachhaltig verändert.
 
 
Nach Sprache und Kultur ist Syrien ein arabisches Land. Wichtigste ethnische Minderheiten sind die Kurden im Nordosten (etwa 6 % der Bevölkerung) und die Armenier (etwa 4 %), die v. a. in großen Städten leben. Die alteingesessene jüdische Bevölkerung ist - zuletzt 1991/92 - größtenteils nach Israel abgewandert. Obwohl sich die Lebensverhältnisse auf dem Land gebessert haben, setzt sich die Landflucht fort (1996: 50 % Stadt- Bevölkerung). Darüber hinaus wandern viele qualifizierte Arbeitskräfte in die Erdölstaaten am Persischen Golf ab. Die Zahl der Nomaden geht immer mehr zurück (1990 noch etwa 2 % der Bevölkerung). Syrien weist eine sehr hohe natürliche Wachstumsrate der Bevölkerung auf (1996: 3,37 %), die Lebenserwartung liegt bei 67 Jahren.
 
Die Siedlungs- und Bevölkerungsdichte zeigt eine deutliche Abhängigkeit von den landschaftsökologischen Bedingungen. Über 80 % der Gesamtbevölkerung leben im westlichen Landesteil, der mit seinen günstigeren natürlichen Voraussetzungen Siedlungs- und Wirtschaftsschwerpunkt des Landes ist. Die östlichen, von Steppen und Wüstensteppen eingenommenen Landesteile sind kaum für Dauersiedlungen geeignet und dienen nomadisierenden Schafzüchtern als Lebensraum. Im Grenzsaum Ackerbaugebiet/Weideland entstand an den Kreuzungspunkten der Karawanenstraßen mit Aleppo, Hama, Homs, Damaskus, Dara eine bedeutende Städtereihe. Als administrativer, politischer und kultureller Mittelpunkt nimmt Damaskus eine führende Stellung ein. In seinem Umkreis ist auch das Gartenland der oasenähnlichen Bewässerungsgebiete (Ghutas) dicht besiedelt und intensiv genutzt. Aleppo, das Zentrum im Norden, ist v. a. Industrie- und Handelsstadt. Die Regenfeldbaugebiete im Nordosten und das Euphrattal haben durch den Staudamm bei Tabqa eine bevorzugte Förderung erfahren. Dennoch konnten sich dort nur Deir ez-Zor und Rakka zu größeren städtischen Zentren entwickeln.
 
 
Die Verfassung garantiert die Religionsfreiheit, bestimmt aber den Islam als die Religion des Staatspräsidenten. Staat und Religion sind gesetzlich getrennt. Der Islam wird vom Staat als wichtige Grundlage der arabischen Identität anerkannt. Für die Juden galt von 1949 bis 1992 ein Auswanderungsverbot. - Etwa 88 % der Bevölkerung bekennen sich zum Islam: Rd. 75 % sind Sunniten (überwiegend der schafiitischen Rechtsschule), rd. 12 % Nusairier (Alauiten; besonders in der Provinz Latakia), rd. 1 % Schiiten (Ismailiten; v. a. in Salamija). - Über 8 % der Bevölkerung sind Christen. Von ihnen gehört über die Hälfte der griechisch-orthodoxen Kirche (Patriarchat von Antiochia) an, rd. ein Viertel verschiedenen mit der katholischen Kirche unierten Ostkirchen (Melchiten, Maroniten, syrisch-katholische Kirche, armenisch-katholische Kirche, Chaldäische Kirche), die übrigen der Syrisch-orthodoxen (westsyrischen) Kirche (»Jakobiten«), der Assyrischen (ostsyrischen) Kirche (»Nestorianer«), der armenischen Kirche und kleinen protestantischen Kirchen; für die rd. 9 800 katholischen Christen des lateinischen Ritus besteht das Apostolische Vikariat Aleppo. - Kleine religiöse Minderheiten bilden die Drusen im Hauran (rd. 2 %), die Jesiden in Nordostsyrien und die Juden (1992: rd. 4 000, 1998: etwa 200).
 
 
Die offizielle Schulpflicht (vom 6. bis 12. Lebensjahr) wird teils durch vorzeitigen Abbruch des Schulbesuchs, teils wegen mangelnder Räumlichkeiten vielerorts nicht erfüllt. Der Unterricht an den öffentlichen Schulen ist kostenlos, Unterrichtssprache: Arabisch. Die Sekundarschulen sind in zwei dreijährige Zyklen gegliedert. Ausgebaut wird v. a. das berufliche Schulwesen auf mehreren Ebenen. Die Analphabetenquote beträgt 28,4 %. Es gibt vier Universitäten: in Damaskus (gegründet 1923), Aleppo (1960), Latakia (1971) und Homs (1979).
 
 
Die vier wichtigsten Tageszeitungen sind »Al-Baath« (»Wiedergeburt«; Organ des Baath; Auflage 40 000), »Al-Thaura« (»Die Revolution«; 40 000), »Tishrin« (»Oktober«; 50 000) und die ebenfalls von der Tishrin Foundation herausgegebene englischsprachige »Syria Times« (15 000); sie erscheinen in Damaskus. Weitere Zeitungen kommen in Aleppo, Latakia, Hama und Homs heraus. Die staatliche Presseagentur »Syrian Arab News Agency« (SANA, gegründet 1966) verbreitet einen Dienst in arabischer Sprache. Die staatliche Rundfunkgesellschaft »Directorate-General of Broadcasting and Television« (gegründet 1945) strahlt Hörfunkprogramme in elf Sprachen aus; seit 1960 wird ein Fernsehprogramm verbreitet.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Anfang der 90er-Jahre erlebte Syrien ein starkes Wirtschaftswachstum. Der Beitritt zur antiirakischen Allianz im 2. Golfkrieg 1991 brachte massive Unterstützung aus den Golfstaaten und westlichen Ländern, die Erdöleinnahmen stiegen wegen des Ausfalls der Konkurrenten Kuwait und Irak, und ökonomische Reformen zielten auf eine Stärkung des bislang stark behinderten Privatsektors. Mehrere Jahre lang lag das Wachstum über 10 %, ist aber seit 1994 wieder auf unter 5 % gesunken. Mit einem Bruttosozialprodukt (BSP) je Einwohner von (1995) 1 120 US-$ gehört Syrien zu den Entwicklungsländern mit mittlerem Einkommen. Die Auslandsverschuldung erreichte (1995) eine Höhe von 21,2 Mrd. US-$, das sind 135 % des BSP oder 337 % des Wertes der Exporte.
 
 
Die Landwirtschaft (einschließlich Forstwirtschaft und Fischerei) bleibt trotz forcierter Industrialisierung in den letzten Jahren wichtiger Faktor der syrischen Wirtschaft. Sie erbringt (1994) 30 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und beschäftigt (1995) rd. 22 % der Erwerbstätigen. Durch die Agrarreformen von 1958 und 1980 wurde die Besitzstruktur grundlegend verändert; privates und genossenschatliches Eigentum sind vorherrschend. Das wichtigste agrarische Exportprodukt ist Baumwolle (1994: rd. 5 % der Exporterträge), deren Anbau (Erntemenge 1995: 600 000 t) dank künstlicher Bewässerung (u. a. Assadstausee bei Tabqa) möglich ist. Weitere Hauptanbauprodukte sind Weizen (Erntemenge 1995: 4,19 Mio. t), Gerste (1,72 Mio. t), Obst (v. a. Trauben 380 000 t) und Gemüse (v. a. Tomaten 430 000 t), Oliven (330 000 t) und Zuckerrüben (1,5 Mio. t). Die Hauptanbaugebiete erstrecken sich über den gebirgigen Küstenstreifen, die Ackerebenen im Norden und Nordosten (Neuerschließung in der Djesire) sowie die Bewässerungsgebiete an Euphrat und Khabur. Die Bewässerungsprojekte am Euphrat sieht Syrien jedoch durch den Bau von Staudämmen in dessen Oberlauf in der Türkei gefährdet. Die bewässerte Fläche umfasst (1992) 906 000 ha, das entspricht 15,3 % des Ackerlandes. Der gesamte zentrale und östliche Teil Syriens kann nur weidewirtschaftlich genutzt werden. Die Viehzucht (v. a. extensive Schafhaltung; 1995: 12,1 Mio. Schafe), die einen Anteil von rd. 30 % an der landwirtschaftlichen Produktion hat, besitzt große Bedeutung für die halb- und vollnomadischen Beduinen.
 
 
Raubbau und andere Eingriffe (Waldweide) dezimierten die früher ausgedehnten Wälder des küstennahen Berglands (Waldfläche 1995: 493 000 ha; Holzeinschlag: rd. 55 000 m3).
 
 
Küstenfischerei wird v. a. vom Hafen Tartus aus betrieben; es dominiert jedoch die Binnenfischerei. Die Fangmenge betrug (1995) insgesamt 11 639 t.
 
 
Seit 1968 wird das 1966 im Nordosten Syriens entdeckte schwere schwefelreiche Erdöl gefördert und seit Mitte der 70er-Jahre exportiert. Neue Erdölvorkommen (darunter das bisher größte Erdölvorkommen Syriens) werden seit 1984 bei Deir ez-Zor im Osten des Landes erschlossen und ausgebeutet; das hier geförderte Öl ist leicht und schwefelarm und kann somit auch in den heimischen Raffinerien (Homs und Banias) verarbeitet werden. Damit entfällt der Rohölimport (v. a. aus Iran) für sie, und Syrien ist seit 1988 Erdölnettoexporteur (Ausfuhrwert 1994: 2,3 Mrd. US-$). Die Förderkapazität erhöhte sich im Zeitraum 1991-96 um rd. 25 % auf 605 000 Barrel pro Tag; die Erdölförderung erreichte 1996 rd. 31,7 Mio. t (1988: 15,6 Mio. t). - Die Erdgasvorkommen (Förderung 1996: 4 100 Mio. m3) sollen künftig für den Betrieb von Kraftwerken sowie verstärkt für die Weiterverarbeitung genutzt werden. Seit 1973 werden bei Palmyra Phosphatvorkommen abgebaut (1995: 1,6 Mio. t). Außerdem gibt es Naturasphaltvorkommen sowie Steinsalzlager.
 
 
Im produzierenden Gewerbe, das 1994 25 % des BIP erwirtschaftete, dominiert der Bergbausektor mit einem BIP-Anteil von rd. 15 %. Wichtigste Bereiche des verarbeitenden Gewerbes (BIP-Anteil 1994: rd. 7 %), in dem (1994) rd. 18 % der Erwerbstätigen beschäftigt waren, sind die traditionelle Nahrungsmittel- sowie die Textil- und Bekleidungsindustrie. Jüngere Branchen sind chemische Industrie, Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Zement- und Düngemittelproduktion (Verarbeitung des Naturphosphats zu Kunstdünger). Das Kunsthandwerk dagegen hat eine lange Tradition. Die Industrie konzentriert sich v. a. in Aleppo, Damaskus, Hama und Homs.
 
 
Neben naturlandschaftlichen Anziehungspunkten bilden die städtischen Basare sowie die antiken Stätten von Damaskus und Palmyra die Hauptattraktionen. 1994 hatte Syrien 2 Mio. Auslandsgäste.
 
 
Syriens Außenhandel ist chronisch defizitär; nur 1989-91 konnten Exportüberschüsse erzielt werden (1994: Exporte 3,5 Mrd. US-$, Importe 5,4 Mrd. US-$). Wichtigste Exportwaren sind Erdöl und Erdölprodukte (1994: 66 % der Exporterlöse), Textilien und Baumwolle. Auf der Einfuhrseite dominieren Nahrungsmittel, Maschinen, Eisen und Stahl. Wichtigste Handelspartner waren 1994 die EU-Länder (v. a. Italien, Frankreich, Deutschland), die Türkei, Saudi-Arabien, Libanon und die USA.
 
Verkehr:
 
Die Verkehrswege sind in dem dichter besiedelten westsyrischen Raum relativ gut ausgebaut. Das Eisenbahnnetz mit einer Streckenlänge von (1995) 1 998 km, davon 1 766 km in Normalspur, verbindet die Industriegebiete im Norden und Nordosten mit den Hafenstädten und Damaskus. Wichtigster Verkehrsträger ist aber das 31 569 km lange Straßennetz (davon 24 308 km asphaltiert), auf dem rd. 90 % der Güter befördert werden. Die Hauptverkehrsachse führt als Nord-Süd-Verbindung von der türkischen Grenze über Aleppo, Hama, Homs und Damaskus nach Jordanien (712 km Autobahn). Größte Seehäfen sind die von Latakia, Banias (Erdölterminal), Tartus (Phosphatausfuhr, Getreideeinfuhr). Den Luftverkehr unterhält die nationale Luftverkehrsgesellschaft Syrian Arab Airlines. Wichtigster Flughafen ist der internationale Flughafen von Damaskus.
 
 
 
Funde der Altsteinzeit sind in Syrien von Küsten- und Flussterrassen sowie aus zahlreichen Höhlen bekannt. Eine reiche Abfolge paläolitischer Kulturen konnte in Jabrud ermittelt werden. Die mesolithische Entwicklung besonders in Südsyrien wurde von Palästina aus beeinflusst (Natufien). Wichtige Fundorte der beginnenden Jungsteinzeit - charakterisiert durch Siedlungen mit Rundbauten - sind Tell Mureybit und Tell Ramad. Die späteren Siedlungen gehen zu rechteckigen Behausungen über (z. B. Buqras). Die eigentliche Jungsteinzeit ist durch die mit dem kleinasiatischen Mersin in Verbindung stehende Amukkultur geprägt. Die bedeutendsten Fundorte des Chalkolithikums sind Ras Schamra (Ugarit), Tell Halaf und Hamath (Hama). Nach 4000 v. Chr. stand der syrische Kulturraum unter starkem Einfluss Mesopotamiens (syrische Kunst).
 
 
Syrien, griechisch Syrịa (von Assyria), war im Altertum die weder geographisch noch politisch eindeutige Bezeichnung für den Großraum zwischen östlichem Mittelmeer im Westen und Arabien im Osten, etwa dem heutigen Aleppo im Norden und Palästina im Süden. Im Schnittpunkt wichtiger Handelsstraßen von Kleinasien nach Palästina und Ägypten, nach Mesopotamien und Iran, im Besitz der Mittelmeerhäfen für den Handel von Westen, besonders vom Ägäischen Meer, nach Osten lag Syrien im 2. und 1. Jahrtausend v. Chr. im Überschneidungsbereich der Einflusssphären der altorientalischen Mächte Assyrien, Babylonien und Ägypten sowie der Hurriter und der Hethiter. Im östlichen Syrien siedelten (nach 2000 v. Chr.) die Amurru, an der Küste die Kanaanäer (Kanaan) und in der Steppe die Aramäer. Nach dem Seevölkersturm (etwa 1200-1175 v. Chr.) gründeten die Aramäer selbstständige Staaten, und die phönikischen Städte (Phönikien) erstarkten und stiegen mit ihren überseeischen Kolonien zu Handelsmächten auf. Im 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. verloren die meisten Einzelstaaten ihre Unabhängigkeit und gerieten unter die Herrschaft Assyriens, Ägyptens oder des Neubabylonischen Reiches. 539 v. Chr. unterwarfen die Perser Syrien und machten es zu einer Provinz des Achaimenidenreiches, zu dem auch Palästina gehörte. Mit der Eroberung durch Alexander den Großen 333 v. Chr. setzte die politische und kulturelle Hellenisierung des Landes ein. 301 v. Chr. wurde das syrische Gebiet unter Seleukiden (Norden) und Ptolemäern (Süden) geteilt; Südsyrien kam dann 195 v. Chr. ebenfalls zum Seleukidenreich. Seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. erlebte Syrien die Bildung von Kleinstaaten (u. a. der Ituräer) sowie parthische und armenische Einfälle. 64/63 v. Chr. richtete Pompeius die römische Provinz Syria ein (einschließlich Phönikien); 194 n. Chr. Teilung in Syria Coele (Coilesyria) und Syria Phoenice (Phoenicia), im 4. Jahrhundert unter Diokletian in Syria I (Hauptstadt Antiochia am Orontes, heute Antakya) und II (Hauptstadt Apameia am Orontes) und Phoenicia I (Hauptstadt Tyros, heute Sur) und II (Hauptstadt Damaskus). 395 wurde das Gebiet Teil des Oströmischen (Byzantinischen) Reiches.
 
Arabische Eroberung:
 
Nach der Eroberung durch die muslimischen Araber (634-637/640) machten die Omaijadenkalifen 661 Damaskus zur Hauptstadt ihres Reiches. Das Christentum, das sich über die Zeit der in Syrien residierenden Omaijaden (Sturz 750) hinaus gehalten hatte, wich erst allmählich einem islamischen Übergewicht. Unter den Hamdaniden und Fatimiden (10./11. Jahrhundert) erreichte Syrien eine gewisse Unabhängigkeit vom Kalifat und geriet in die Einflusssphäre der muslimischen Dynastien von Ägypten; 1018 fielen die Kreuzfahrer ein, die nur im Küstenstreifen eigene Staaten errichteten: Fürstentum Antiochien (Hauptstadt: Antiochia; 1098-1268). Im Kampf gegen die Kreuzfahrer wurde Syrien durch die Herrscherhäuser der Sengiden (Sengi; bis 1171), Aijubiden (bis 1290) und Mameluken (bis 1516) gefestigt. 1400/01 wurden große Landesteile durch den Mongolensturm verwüstet.
 
Osmanische Herrschaft:
 
1516/17-1918 war Syrien Teil des Osmanischen Reiches. Ein reger Handel mit Europa wurde dank mehrerer französisch-türkischer Verträge (»Kapitulationen«) seit 1535 besonders von französischen Kaufleuten getragen. 1799 scheiterte Napoléon Bonaparte bei dem Versuch, durch die Eroberung von Syrien die zuvor über Ägypten gewonnene Herrschaft zu sichern und die britische Stellung in Indien zu bedrohen. 1833-40 übte Mehmed Ali von Ägypten die Herrschaft über Syrien aus. Ausschreitungen gegen die Christen 1860 (Maroniten) nahm Napoleon III. zum Anlass einer Intervention. Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Syrien neben Ägypten zum Zentrum der arabischen Wiedergeburt und der panarabischen Bewegung.
 
Königreich Syrien und Völkerbundmandat:
 
Im Sykes-Picot-Abkommen von 1916 französisches Einflussgebiet zugesprochen, wurde Syrien beim Zusammenbruch der osmanischen Herrschaft 1918 von britischen und arabischen Truppen unter Feisal besetzt. Am 18. 3. 1920 kam es zur Unabhängigkeitserklärung; Feisal I. wurde zum König gewählt und gekrönt. Diese Bestrebungen zu einem arabischen Staat in Syrien (einschließlich Palästina, Transjordanien und Libanon) stießen jedoch auf die Ansprüche Frankreichs; der Festlegung des französischen Völkerbundmandats für Syrien (Konferenz von San Remo, April 1920; Friedensvertrag von Sèvres) folgte der Einmarsch französischer Truppen und die Abdankung Feisals (25. 7. 1920 Flucht aus Damaskus). Frankreich ließ sich Syrien offiziell als Mandat des Völkerbundes übertragen (1922). Unter Ausnutzung religiöser und ethnischer Minderheitenprobleme trennte es das Alauitengebiet (Staat der Nusairier), den Djebel Drus (autonome Region der Drusen) und Libanon (im August 1920 zum Separatstaat erklärt) von Syrien ab. 1925/26 schlug die Mandatsmacht einen Drusenaufstand nieder. Nach Spannungen zwischen ihr und syrischen Amtsträgern (u. a. Präsidenten H. al-Atassi) suspendierte sie die Verfassung von 1930. Den französischen-syrischen Vertrag von 1936 über die Unabhängigkeit Syriens ratifizierte das französische Parlament nicht. 1939 kam der (seit 1920) autonome Sandschak von Alexandrette an die Türkei (Provinz Hatay). Der Besetzung des Landes durch britische und freie französische Truppen im Zweiten Weltkrieg (Juni/Juli 1941) folgte am 27. 9. 1941 die Erklärung der (formellen) Unabhängigkeit (Republik Syrien), die Rückgliederung des Alauitengebiets und des Djebel Drus (1942) sowie die Ausarbeitung einer neuen Verfassung; de Gaulle erklärte Syrien am 1. 1. 1944 erneut für unabhängig, doch räumten die britischen und französischen Truppen erst nach wachsenden Unruhen am 17. 4. 1946 das Land (volle Unabhängigkeit; Nationalfeiertag). Schon 1945 wurde Syrien Mitglied der UNO und der Arabischen Liga.
 
Das unabhängige Syrien:
 
Die Nationalpartei, Trägerin der Unabhängigkeitsbewegung, stellte mit S. al-Kuwatli den Staatspräsidenten von 1943 bis 1949; innenpolitische Instabilität (mehrere Staatsstreiche zwischen 1949 und 1951) mündete dann aber in die Militärdiktatur A. Schischaklis. Nach seinem Sturz übernahm 1954 zunächst H. al-Atassi, 1955 wieder al-Kuwatli (bis 1958) das Amt des Staatspräsidenten. Die Politik wurde v. a. durch die Entwicklung der Außenbeziehungen, besonders zu den arabischen Staaten, bestimmt. Vor dem Hintergrund panarabischer Ideen sah sich Syrien Ende der 40er-Jahre mit dem Plan Iraks konfrontiert, unter der Herrschaft der Haschimiten die Länder des »Fruchtbaren Halbmondes« zu einer Union zu vereinigen. Mit dem Aufstieg G. Abd el-Nassers in Ägypten lehnte es sich dann an dessen Außenpolitik (keine Bindung im Ost-West-Konflikt) an. 1958 schloss sich Syrien mit Ägypten zur »Vereinigten Arabischen Republik« (VAR) zusammen. 1961 stellte ein Putsch syrischer Militärs die Selbstständigkeit Syriens wieder her (Proklamierung der »Syrischen Arabischen Republik«).
 
Am 8. 3. 1963 brachte ein erneuter Staatsstreich den Baath als politisch führende Partei an die Macht. Staatschef wurde A. al-Hafis (1963-66; Verstaatlichung der Banken). Nach ihrem erfolgreichen Putsch (1966) gegen die bisherige Staatsführung und das internationale Baath-Kommando setzte die sozialistisch-doktrinäre regionale syrische Baath-Leitung N. al-Atassi als Staatschef (1966-70) ein. Diese innenparteiliche Entwicklung belastete die Beziehungen zwischen der syrischen und irakischen Baath-Führung sehr. Außenpolitisch leitete die neue Regierung enge Beziehungen zur UdSSR ein (umfangreiche sowjetische Militärhilfe) und legte im Nahostkonflikt eine radikal israelfeindliche Linie fest. Im arabisch-israelischen Sechstagekrieg (Juni 1967) verlor Syrien die Golanhöhen. Die Unterstützung der palästinensischen Freischärler führte zu zeitweilig starken Spannungen mit Jordanien. Seit 1968/69 setzte sich innerhalb des Baath wieder ein stärker pragmatischer Flügel unter General H. al-Assad durch. Im November 1970 stürzte er in einem unblutigen Putsch (»Korrekturschritt«) die herrschende marxistische Baath-Führungsgruppe; 1973 trat eine neue Verfassung in Kraft. Im März 1971 wurde Assad Staatspräsident und behielt dieses Amt bis zu seinem Tod (2000). Er nahm zunächst wieder panarabische Vorstellungen auf (u. a. 1971 Gründung einer Föderation von Ägypten, Syrien und Libyen; nicht realisiert). Nach dem Krieg Syriens und Ägyptens gegen Israel (Jom-Kippur-Krieg, Oktober 1973) erhielt Syrien unter Vermittlung des US-Außenministers H. A. Kissinger in einem Truppenentflechtungsabkommen (1974) Teile der Golanhöhen (Kuneitra) zurück. Die Unterstützung der Palästinenser und das direkte Eingreifen syrischer Streitkräfte im libanesischen Bürgerkrieg (seit Juni 1976, zunächst zugunsten, seit 1982 zuungunsten der Christen) stärkte die Stellung Syriens in der arabischen Welt. In seiner Nahostpolitik setzte Syrien die »harte« Linie gegenüber Israel fort; als einer der schärfsten Kritiker der Friedensinitiative des ägyptischen Präsidenten A. as-Sadat (1977) brach Präsident Assad die diplomatischen Beziehungen zu Ägypten ab. Es kam zur zeitweiligen Annäherung Syriens an Irak; 1980 scheiterte eine geplante Union von Syrien und Libyen.
 
Der 1. Golfkrieg 1980-88, in dem Syrien im Gegensatz zu den anderen arabischen Staaten Iran unterstützte, verschärfte erneut die Spannungen zwischen Syrien und Irak (April 1982 Schließung der Grenze) sowie Jordanien (das auf irakischer Seite stand). 1983 distanzierte sich Syrien von J. Arafat und begünstigte damit den Bruch innerhalb der PLO. Die Annexion der syrischen Golanhöhen durch Israel (Dezember 1981) und die israelische Invasion im Libanon (Juni 1982-Juli 1985) verstärkten die Aktivitäten Syriens im Libanon (u. a. 1983 Verhinderung eines israelisch-libanesischen Separatfriedens) und im arabischen Lager. Angesichts verlustreicher Kämpfe der in Libanon stationierten syrischen Truppen mit israelischen Verbänden hatten Syrien und die UdSSR ihren Freundschaftsvertrag (8. 10. 1980) unter Betonung der militärischen Aspekte zu einer »strategischen Allianz« (20. 6. 1982) ausgebaut. Mit dem Abkommen von Taif (Oktober 1989) wurde Syrien offiziell zur Schutzmacht Libanons erklärt; durch den Freundschaftsvertrag vom Mai 1991 erweiterte Syrien dort seinen Machtbereich. Die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zu Ägypten (1989), der Beitritt zur antiirakischen Allianz im 2. Golfkrieg 1991 und die Teilnahme an der erst durch die rasche Zustimmung Syriens zu der Formel »Land gegen Frieden« ermöglichten und im Oktober 1991 eingeleiteten Nahostfriedenskonferenz förderten das Gewicht des sich als Regionalmacht verstehenden Syrien im Nahen und Mittleren Osten; auf der Nahostfriedenskonferenz kam es auch erstmals zu direkten israelisch-syrischen Gesprächen über die Rückgabe der Golanhöhen (syrische Forderung für eine Gesamtlösung des Nahostkonflikts).
 
Seit dem 2. Golfkrieg 1991 erhielt das Land internationale Finanzhilfe, besonders von Saudi-Arabien. Seit Ende 1991 war Assad bemüht, seine autokratische Herrschaft mit einer so genannten Politik der »Infitah« (»Öffnung«) ansatzweise zu liberalisieren; diese war besonders in den 1980er-Jahren vom islamischen Fundamentalismus bedroht worden (u. a. blutige Niederschlagung einer Rebellion der Muslimbruderschaft in Homs 1982). Bei den Parlamentswahlen 1998 erhielt die Nationale Progressive Front 167 von 250 Sitzen (1994: 167; 1990: 166; davon die Baath-Partei: 135, 135, 134). V. a. wegen der hohen Zahl von politischen Gefangenen sah sich das Regime immer wieder mit dem Vorwurf schwerer Verstöße gegen die Menschenrechte konfrontiert.
 
Am 27. 4. 1994 schloss Syrien mit Russland ein Abkommen über militärische Zusammenarbeit. Auf syrische Initiative wurde am 26. 6. 1997 eine arabische Freihandelszone gegründet (Syrien, Ägypten, Golfstaaten). Spannungen zwischen Syrien und der Türkei (u. a. syrischer Anspruch auf Hatay, Wasserversorgungsprobleme aufgrund türkischer Staudämme am oberen Euphrat, Kurdenpolitik) verschärften sich Oktober 1998 kurzzeitig zur bilateralen Krise. Unter Druck der Türkei gab Syrien schließlich Ende 1998 die Unterstützung der PKK auf.
 
Gegenüber den 1993/94-96 (unter den israelischen Ministerpräsidenten Rabin und Peres; von Netanjahu abgebrochen) und ab 1999 (unter E. Barak) forcierten israelischen Bemühungen um eine Friedensregelung beharrte Syrien unter Assad immer wieder auf seiner Forderung nach einem sofortigen und vollständigen Rückzug der israelischen Truppen von den besetzten Golanhöhen und aus der Sicherheitszone in Libanon als unerlässliche Vorbedingung für Verhandlungen. Wegen der seitens Israels lediglich in Aussicht gestellten stufenweisen Räumung der Golanhöhen wurden sie von Syrien zuletzt im Januar 2000 abgebrochen. Nach dem Tod Assads (10. 6. 2000) wurde sein Sohn Baschar al-Assad sein Nachfolger in der Führung der Baath-Partei (am 16. 6. zum Generalsekretär gewählt) und des Staates (am 10. 7. per Referendum zum Präsidenten gewählt; Amtseinführung und Vereidigung: 17. 7.). Er nahm die Verhandlungen wieder auf. Inzwischen hatte Israel im Mai 2000 etwa sechs Wochen früher als geplant und teilweise fluchtartig den Rückzug seiner Truppen aus der Sicherheitszone in Libanon vollzogen. Danach war es aber zu keinem Friedensvertrag zwischen Israel und Libanon gekommen, weil ein kleines Gebiet, die Sheeba-Farmen, umstritten blieb, die Libanon für sich beansprucht, Israel aber in einem Friedensvertrag an Syrien zurückgeben will. Da die neue syrische Regierung erst einmal innenpolitische Prioritäten setzte und die wirtschaftliche Konsolidierung vorantreiben wollte, wurde eine mögliche Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen außerdem durch den Beginn der »Al-Aksa-Intifada« im Herbst 2000 unmöglich gemacht. Syrien, das sich nun mit den Palästinensern solidarisierte und Mitglied des vom Arabischen Gipfel (21./22. 10. 2000) eingesetzten Follow-up-Komitees zur Unterstützung der Intifada wurde, konnte diesen nicht durch separate Friedensverhandlungen in den Rücken fallen. Syrien blieb aber auf kritische Distanz zu Arafat, von dem es erwartete, dass er früher oder später Konzessionen an Israel machen würde, mit denen die Regierung unter B. al-Assad sich nicht in Verbindung bringen lassen wollte. Sie blieb sogar, um ein Zeichen gegen Normalisierungsbestrebungen gegenüber Israel zu setzen, der euro-mediterranen Außenministerkonferenz von Marseille fern, die im Rahmen des Barcelona-Prozesses stattfand, und hielt auch Libanon von einer Teilnahme ab. Besorgnis in den USA und Israel erregten demonstrative Öffnungsschritte Syriens ab Herbst 2000 gegenüber Irak (Wiederherstellung der irakisch-syrischen Pipeline und zunehmender Austausch offizieller Besuche, bei denen offenbar auch über sicherheitspolitische Kooperation gesprochen wurde).
 
Am 29. 9. 2000 veröffentlichte eine Gruppe von 99 führenden syrischen Intellektuellen in einer libanesischen Tageszeitung einen Appell für mehr demokratische Rechte und Meinungsfreiheit und forderte dabei u. a. die Aufhebung des seit 1963 bestehenden Ausnahmezustands und die Freilassung der etwa 1 500 politischen Gefangenen. Am 16. 11. erfolgte eine Amnestie für circa 600 politische Gefangene, unter ihnen 100 Libanesen und 380 Mitglieder der Muslimbruderschaft. Im Januar 2001 forderten etwa 1 000 syrische Intellektuelle erneut in einem öffentlichen Appell die Erneuerung der Zivilgesellschaft und demokratischen Freiheiten. Kurz darauf wurde der Ausnahmezustand suspendiert. In den folgenden Monaten wurde aber die Arbeit von Bürgerrechtsorganisationen und Protoparteien durch verschiedene polizeiliche Auflagen lahm gelegt. Am 2. 7. konstituierte sich in Damaskus eine unabhängige nationale Menschenrechtsvereinigung. Nach Protesten der libanesischen Regierung und breiter gesellschaftlicher Kreise gegen die seit den 1970er-Jahren bestehende und während der israelischen Teilbesetzung noch akzeptierte syrische Truppenpräsenz im Libanon (3 000 Mann) begann Syrien am 14. 6. 2001 damit, etwa 6 000 dieser Soldaten, die bis dahin in Beirut stationiert waren, abzuziehen. Es behielt aber die strategisch wichtigen Höhen des Libanongebirges am westlichen Zugang zur Bekaa-Ebene weiterhin besetzt.
 
 
R. Dussaud: Topographie historique de la Syrie antique et médiévale (Paris 1927);
 P. K. Hitti: History of Syria (Neuausg. London 1957);
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Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Osmanisches Reich: Aufteilung als Höhepunkt des Kolonialismus
 

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Sy|ri|en; -s: Staat im Vorderen Orient.

Universal-Lexikon. 2012.

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